Ange und Varanda erfinden den Drachenmythos neu: Wenn sich ein Drache irgendwo niederlässt, verzerrt seine Aura die Realität und sorgt dafür, dass sich die in seiner Umgebung lebenden Menschen nach und nach in mordgierige Monstrositäten verwandeln. Nur Jungfrauen können sich gefahrlos nähern, weil die Schuppenviecher diese nicht wittern. Logisch also, dass es einen Ritterorden gibt, der ausschließlich aus unberührten Drachenkillerfrauen besteht.
Dieser Hintergrund ist nach einer Seite etabliert, und trotzdem braucht der Comic mehr als die Hälfte seiner Seitenzahl, um in die Gänge zu kommen. Bis sich mal ein zünftiger Drachentöterinnen-Plot entwickelt, sehen wir unseren Heldinnen (einem mies gelaunten Xena-Verschnitt und ihrer Knappin) beim blutigen Zersplattern diverser Zufallsbegegnungen zu. Szenarist Ange ist dabei bemüht, alles voll total grimmig wirken zu lassen, was aber gekonnt torpediert wird durch Alberto Varandas’ lebendige Zeichnungen und eine überaus farbenprächtige Kolorierung. Es ist wirklich schön anzusehen, wie die beiden Mädels schweigend und metzelnd durch die Natur latschen, aber da ist bald der Punkt erreicht, an dem das nicht mehr atmosphärisch wirkt, sondern einfach zu schnarchigem Leerlauf wird. Die zweite Hälfte ist besser und steigert sich zu einem nicht ganz logischen, aber konsequenten, unglaublichen Was-zum-Teufel-bin-ich-lesend-Ende. Nur ist es bis dahin halt ein langer Weg. Weiterlesen
Im Sommer wird sich im Rahmen der Superheldenwelle eine Green Lantern-Verfilmung durch die Kinos blockbustern, und dass die wenigsten Nicht-Comicleser das bislang mitbekommen haben, ist nur einer von vielen Verdachtsmomenten dafür, dass der Streifen spektakulär floppen könnte. Dieses Gratisheft ist insofern auch provisorisches Aushängeschild und Vorab-Werbung für das Franchise, das nie die Auflagenzahlen eines Spider-Man oder Batman erreichte. Es ist also nur logisch, dass Secret Origin, die vorliegende Story, eine Neufassung der Entstehungsgeschichte ist (ähnlich geupdated wie das Ultimate-Universum bei Marvel) und uns erst mal mit der Figur vertraut machen soll. Erfreulich auch für mich, der ich nie ein großer DC-Leser war und (abgesehen vom Gratis-Comic-Tag im letzten Jahr) gar noch nie einen Green-Lantern-Comic in den Fingern hatte. Also:
Der Testpilot Hal Jordan bekommt aufgrund seines Draufgängertums beruflich kein Bein mehr auf den Boden, bis er aus dem gleichen Grund von einem in der Wüste abgestürzten, tödlich verletzten Alien angesaugt (ja!) wird und dessen Macht übertragen bekommt. Hal ist ab sofort Mitglied im Green Lantern Corps, einer interplanetaren Eingreiftruppe. Er kann fliegen und mit seinem Ring Dinge aus Licht formen und all so was. Das Heft schafft es tatsächlich, ein bisschen Sense of Wonder in der ansonsten eher flachen und cheesigen Story unterzubringen, wodurch die Sache ganz ordentlich unterhält – blöd ist nur, dass diese Story nach 24 Seiten keinesfalls abgeschlossen ist, sondern sich über weitere sechs Hefte (bzw. einen Sammelband) erstreckt, man also nur einen kleinen Anreißer bekommt. Natürlich ist das eine der Ideen hinter dem Gratis-Comic-Tag, aber andere Hefte machen genauso Lust auf die dazugehörigen Reihen und bieten trotzdem abgeschlossene Geschichten oder zumindest die doppelte oder fast dreifache Seitenzahl.
Und apropos cheesy: die Einleitung des Heftes erklärt noch, dass Green Lantern keinen Einfluss hat auf gelbe Gegenstände. Er ist tatsächlich vollkommen machtlos gegenüber allem, was gelb ist. Das ist wirklich so beliebig und dämlich, dass man nur blöde grinsen kann, und ich hoffe inständig, dass der Film mit einem Superbösen in einem Bananenkostüm aufwartet, der dem ollen Jordan so richtig auf die Mappe gibt. Das wäre jenseits von awesome. Weiterlesen
Weiter geht’s. Fünf Hefte erledigt, 39 stehen mir noch bevor:
The Bad: Die Peanuts
Charles M. Schulz’ Peanuts ist der beste, wichtigste, komplexeste Zeitungs-Strip der Comicgeschichte. Umso bedauerlicher, dass man beim Carlsen-Verlag deshalb offenbar der Meinung war, man hätte es mit einem solchen Selbstläufer zu tun, dass es schon ausreichen würde, insgesamt 37 wahllos zusammengestellte Strips und Sonntagsseiten mies gelayoutet auf gerade mal 21 Seiten zu verteilen, unterbrochen (!) von insgesamt acht (!!) Seiten Eigenwerbung. Das hat sich, soweit ich das bislang absehen kann, in diesem Jahr kein anderer Verlag getraut. Wie lieblos das Ganze zusammengeschustert wurde, lässt sich daran ablesen, dass drei der Strips sogar doppelt im Heft gelandet sind. Die Comics selbst sind freilich über jeden Zweifel erhaben, aber diese Aufbereitung ist vollkommen indiskutabel. Weiterlesen
Ich habe vor ein paar Wochen schon mal geschrieben, dass es mir momentan an Zeit mangelt, um irgendein größeres Projekt fertigzustellen, und daran hat sich nichts geändert. Die zweite Captain-Testosteron-Seite liegt halb koloriert auf meiner Festplatte, genauso wie ein noch unvollständiges Schräge-Vögel-Video. In halbwegs absehbarer Zeit dürfte zumindest das staatlich geförderte, von Andreas Eisele gedrehte Video im Netz landen, dessen Skript von Dirk und mir stammt. Er und ich haben die Preview-Version bereits gesehen und sind ausgesprochen begeistert.
Kommen wir zu einer etwas kurzfristiger umsetzbaren Angelegenheit: Am vergangenen Samstag beging die Nation den zweiten deutschen Gratis-Comic-Tag. Bei dieser in allerlei Comicläden zelebrierten Festivität verschenken Verlage speziell zu diesem Anlass gedruckte Hefte mit Leseproben und teils exklusivem Material, die nach Möglichkeit neue Leser für das jeweilige Verlagsprogramm erschließen sollen. Das ist eine schöne Sache, und nachdem der Testballon im letzten Jahr anscheinend überaus erfolgreich aufstieg, gab es dieses Jahr die Auswahl aus insgesamt 44 verschiedenen Heften. Je nach Händler konnte man sich aus diesem Sammelsurium ein bis fünf Titel auswählen, aber ein glücklicher Zufall Geld sorgte dafür, dass vor mir nun eine große Tüte mit sämtlichen Veröffentlichungen liegt. Natürlich würde ich den Stapel gerne über einen entspannten Nachmittag hinweg durcharbeiten, aber da ich letzteren nicht habe, brauche ich für ein solches Unterfangen einen Grund, der meinem Gewissen sagt, es möge sich bitte hinsetzen und die Klappe halten. Also bespreche ich das Zeug, jedes einzelne Heft.
Viel zu tun.
Das ist nicht so sinnlos, wie es auf den ersten Blick (denn der Gratis-Comic-Tag ist nun mal vorbei und die Hefte vergriffen) erscheint, da 1) die Hefte repräsentativ für die einzelnen Serien sein sollen, die es ja auch regulär zu kaufen gibt und 2) in den nächsten Tagen und Wochen zig Ebay-Auktionen in die Welt gesetzt werden dürften, in denen einzelne Hefte oder ganze Pakete unter den Hammer gehen.
Natürlich könnte man einwerfen, dass die Hefte gratis sind (zumindest war’s ja ursprünglich so gedacht) und dass es deswegen unangemessen wäre, daran herumzukritteln, aber das hieße zu ignorieren, dass sich unter den 44 Kandidaten zwar einige Hits, aber eben auch viele Schrott-Titel befinden – und die gehören abgestraft, gratis hin oder her. Natürlich gehören ebenso die Meisterwerke gelobpreist, aber ich sehe schon kommen, dass die Verrisse die längeren Texte werden.
Na denn. Die Reihenfolge ist die, in der mir die Hefte in die Hand fallen, die Kritik so hämisch, wie ich es für richtig halte, und beurteilt habe ich den ganzen Schlonz nach einem überaus komplexen System, wie ja auch der Titel bereits ankündigt: The Good. The Bad. The Durchschnitt. Los geht’s: Weiterlesen
Bereits vor zwei Jahren erschien mit Die Reise ins Glück der aktuellste der drei Wenzel-Storch-Filme auf DVD. Damals hatte ich, wie auch letzte Woche für Sommer der Liebe, eine Rezension für DVD-Heimat geschrieben. Die ist insofern inzwischen eigentlich überflüssig, als dass die DVD momentan nur zu Mondpreisen erhältlich ist – jemand, der theoretisch bereit ist, fünfzig Euro für einen Film auszugeben, wird das sicher nicht von einer Besprechung des Bonusmaterials abhängig machen. Die als edles Digipack aufgemachte Scheibe soll zwar dieses Jahr noch für akzeptables Geld in einer – vermutlich abgespeckten – Neuauflage in den regulären Handel kommen (und es existiert sogar bereits eine Single-DVD-Version in normaler Plastikhülle, die als Pressemuster diente und eventuell auch in den Videotheken stand), aber erfahrungsgemäß sind alle Zeitangaben aus Wenzels Umfeld mit Vorsicht zu genießen. Echte Künstler lassen sich halt nicht hetzen. Aus eben diesem Grund gehe ich auch davon aus, dass der dritte und letzte Teil dieses Artikels – die Besprechung zum noch ausstehenden Release von Der Glanz dieser Tage – möglicherweise noch ein ganz kleines bisschen auf sich warten lassen könnte. So grob ein bis zwei Jahre. Hier erst mal Teil 2:
Die Reise ins Glück
Unglaubliche zwölf Jahre dauerte die Produktion von Die Reise ins Glück. Nach der Erstaufführung 2004 vergingen wiederum fast fünf Jahre Produktionszeit für die DVD, mit der nun endlich Wenzel Storchs dritter Kinofilm für den heimischen Player vorliegt; macht summa summarum siebzehn Jahre von den Anfängen bis zum vorläufigen Ende der Verwertungskette. In vielen der zeitgenössischen Besprechungen anlässlich des Kinostarts war der Produktionsprozess folglich ebenso Spektakel wie das eigentliche Spektakel, der Film – verständlich, erscheint es angesichts eines solchen ganzen Lebensabschnitts doch beinahe unangemessen, den Film losgelöst von seiner Entstehungsgeschichte zu betrachten. Unter Storchs Spielleitung bastelte eine Horde von Freiwilligen über die Jahren hinweg unter großen persönlichen Opfern aus gestohlenem Schrott tonnenschwere Kulissen zusammen für ein Märchen, in dem genüsslich auf Kinder uriniert wird und sich unter aphrodisierenden Drogen stehende Tiere in Zeitmaschinen verwandeln. Das kommerzielle Ergebnis war, wie zu erwarten, vernichtend, und selbst unter den nur etwa 5000 Zuschauern (*), die es ins Kino zog, herrschte alles andere als einhellige Begeisterung.
Der Film erzählt die Geschichte von Käpt’n Gustav, der zusammen mit seiner Frau Eva, den gemeinsamen Kindern und seiner Besatzung (bestehend aus einer ganzen Tier-Menagerie) die sieben Weltmeere bereist. Als sich Gustav zur Ruhe setzen will, läuft man eine Insel an, die, wie sich herausstellt vom bösen König Knuffi beherrscht wird. Knuffi (der Gustav einst in Freundschaft verbunden war, bis sich beide in Eva verliebten) entführt Gustavs Familie, der daraufhin eine Rettungsaktion startet. Weiterlesen
Wenzel Storch trägt auf dieser Photographie einen bunten Anzug.
Wenzel Storch ist ein Filmemacher (und Autor), dessen Werk seit jeher von einem viel zu kleinen Publikum verehrt und bewundert wird. Das erklärt sich nicht nur, aber auch aus dem Umstand, dass man zum Bewundern lange das Glück haben musste, einer der Kinoaufführungen beizuwohnen, die es hier und dort über die Republik verstreut gab und gibt (zum Beispiel auch immer mal wieder bei uns). Oder man besaß eines der längst vergriffenen VHS-Tapes der Filme, denn auf DVD war die schmal bemessene Filmographie (gerade mal drei Leinwandspektakel an der Zahl) nicht erhältlich. Vor ein paar Wochen erschien dann endlich, nach jahrelanger Ankündigung, Sommer der Liebe, der Mittelteil der nach Wenzels Lieblingshauptdarsteller benannten Filmtrilogie. Nachdem vor zwei Jahren bereits Die Reise ins Glück veröffentlicht wurde, erwarte ich den ersten Teil, Der Glanz dieser Tage, um das Jahr 2013 herum. Da ich aber zu den beiden verfügbaren Teilen schon Besprechungen geschrieben habe und so lange dann doch nicht warten möchte, kommt hier schon mal der aktuelle Text zu Sommer der Liebe, erstveröffentlicht auf DVD-Heimat.de: Weiterlesen
Das Folgende ist eine Besprechung von „Das Geheimnis der Zauberpilze“, einem Homemade-Streifen, der bei mir um die Ecke gedreht wurde. Auf Herz und Nieren verrissen habe ich den Film letztes Jahr für Badmovies.de, wo der Text auch seit Jahr und Tag online ist. Dass ich diese Geschichte jetzt wieder aufwärme, hat einen Grund:
Diese Flyer lagen letzte Woche in Bochum aus. „VoFiFe“, ist, wie ich aus erster Hand weiß, eine Abkürzung für „Vorfinanzierungsfete“, und wer etwas genauer hinsieht, liest auch, wofür die gut sein soll: „Zur Finanzierung unseres nächsten Films “Der Fluch der Zauberpilze”.“
Falls die Straßenlage es zulässt, werde ich da am Samstag aufschlagen und möchte alle in der Nähe wohnenden Leser bitten, es mir gleichzutun. Und das sage ich als derjenige, der den ersten Teil der Zauberpilz-Saga achtkantig zerfetzt hat. Die beiden unter dem Namen P.s.y.c.h..o.-Productions firmierenden Jungs ziehen ihre Projekte durch, geben sich Mühe und sind, so ich meinen damaligen Email-Verkehr im Vorfeld dieser Besprechung richtig interpretiere, sympathische Zeitgenossen, und das sollte man honorieren. Mal davon abgesehen, dass der nächste Film nur besser werden kann. Außerdem haben sich die Beiden, nachdem der Badmovies-Beitrag online ging, tatsächlich bei mir für die Kritik bedankt. Das hätte ich nicht unbedingt erwartet, denn nett war ich nicht zu ihnen: Weiterlesen
Vor zwei Jahren inszenierte David Cronenberg in Paris die Opernversion von The Fly. Am vergangenen Montag sendete arte ohne so wirklichen Anlass eine einstündige Dokumentation zum Thema:
Was mir immerhin Anlass gibt, meine Besprechung von damals wieder rauszukramen. Ich saß bei der Uraufführung im Juli 2008 im Publikum; die erste ungeschliffene Fanboy-Fassung meiner Kritik erschien kurz nach der Premiere auf Englisch bei Aintitcool.com und später in der vorliegenden Version bei Weirdfiction.de. Genauso wie die Oper eigentlich nur was für Leute ist, die den Film kennen (und deswegen seinerzeit beim Standard-Opernpublikum auch nicht überragend ankam), empfiehlt sich auch für meinen Text entsprechende Vorkenntnis, nicht nur, weil ich die Handlung darin als bekannt voraussetze und den Film spoiler wie ein GTI-Treffen in Castrop-Rauxel, sondern weil diese psychotronische Bühnen-Seltsamkeit es erzwingt, dass man sie ständig mit dem Film vergleicht.
Heil dem Fleisch!
Musical-Verfilmungen erfreuen sich seit dem Aufkommen des Tonfilms steter Beliebtheit, und auch der umgekehrte Weg, von den Studios in Hollywood auf die Bühnen des Broadways, ist mittlerweile keine Seltenheit mehr, ja sogar ein reges Hin und Her spielt sich gelegentlich zwischen amerikanischer Ost- und Westküste ab. Man denke nur an The Producers, Little Shop Of Horrors oder Reefer Madness, die alle zunächst als Filme existierten, dann für die Bühne adaptiert wurden und schließlich wieder nach Hollywood gelangten. Anders sah es bislang mit der eher europäisch verwurzelten Kunst der Oper aus. Opern wurden zwar durchaus verfilmt, aber auf die Reise von den USA nach Europa hatte sich, man möge mich korrigieren, bislang kein Stoff begeben – David Cronenbergs Die Fliege von 1986 dürfte der erste Film sein, der in eine Oper verwandelt wurde. Bedenkt man, dass Cronenbergs Filme in aller Regel selbst von Verwandlungen psychischer oder physischer Natur handeln (oder von beidem), so ist dieser Umstand genauso stimmig wie der, dass The Fly – The Opera ihre Premiere Anfang Juli 2008 ausgerechnet in einer europäischen Metropole feierte.
Die Oper jedoch einfach Cronenberg zuzuschreiben ist nicht ganz unkritisch. Zwar führt er Regie, angekündigt wird das Werk jedoch als eines von seinem Stammkomponisten Howard Shore, das Libretto wiederum stammt von David Hwang (der mit Cronenberg schon bei M Butterfly zusammengearbeitet hat). Ähnliches sagen ließe sich allerdings über jeden Film Cronenbergs, der seit Jahren mit dem immer gleichen Team arbeitet und viele weitere seiner Stamm-Mitarbeiter ebenfalls in die Produktion der Oper eingebunden hat. Etwas vorsichtiger formuliert, vermittelt die Pariser Fliege auch in den Passagen, in denen sie deutlich vom Plot der Filmvorlage abweicht, treffend die Atmosphäre eines David Cronenberg – Films.
Und die Abweichungen sind zahlreich, was sich schon an der Struktur ablesen lässt: Die Oper ist in zwei Akte unterteilt, jeweils etwa eine Stunde lang, mit einer Pause direkt nachdem sich der Wissenschaftler Seth Brundle zum ersten Mal teleportiert hat und unwissentlich mit einer Stubenfliege verschmolzen ist. Akt eins umfasst damit nur etwa 30 Minuten des Films, während im zweiten Akt eine Stunde Oper einer Stunde Film entspricht. Das, schon jetzt einmal vorweg, schlägt sich im Tempo nieder; während sich die erste Stunde eher getragen entwickelt, springt das Stück im zweiten Teil nur so durch die Handlung. Weiterlesen
Ein Arzt, der auf seine Station ausschließlich mit hoffnungslosen Fällen zu tun hat, hat sich jede Empathie abgewöhnt. Das macht ihn zwar effektiver im Beruf, legt aber sein Privatleben in Trümmer. Dann kommt es zu einem tragischen Ereignis, das ihn zum Wunderheiler macht. Gut geschriebenes und überzeugend gespieltes Fantasy-Drama, vielschichtig und intelligent.
Shank
In fünf Jahren ist Großbritannien so weit heruntergewirtschaftet, dass Nahrungsmittel die wertvollste Beute Londoner Jugendbanden geworden sind. Bei einer Beschaffungsmaßnahme stirbt ein Gangmitglied durch die Mitglieder einer anderen Gruppe. Seine Freunde wollen Rache. Der Film schlingert unentschlossen zwischen Action und Milieustudie. Die Action ist nicht weiter erwähnenswert, das Milieu ist schon insofern nicht glaubwürdig, als dass die Figuren cartoonartig stilisiert werden. Sie tragen Namen wie aus einem Mad Max – Film und lassen sich problemlos auf jeweils eine Eigenschaft herunterbrechen; auch so etwas wie Elternhäuser oder Schulen scheint es nicht zu geben. Ebenso unwahrscheinlich mutet die Schilderung des London des Jahres 2015 als postapokalyptischer Raubritterrummelplatz an. Shank verwendet viel Zeit und eine nervöse Videoclip-Schnitttechnik darauf, dieses trotz schwer zu beurteilender Bezüge zur realen Situation unterprivilegierter Jugendlicher fiktive soziale Umfeld seiner Protagonisten zu schildern, ergeht sich dabei aber in sinnlosen Schlenkern und vernachlässigt seine Geschichte. Auch nimmt der Film keine Distanz zu den harten Posen der Hauptfiguren ein und wirkt deswegen in seinen besten Momenten zwar ungefiltert und im Rahmen der genannten Vorbehalte überzeugend, vermittelt in seinen schlimmsten Passagen aber den Eindruck eines dümmlichen Gangsterrap-Videos. Zu letzterem passt auch, dass erst in der letzten halben Stunde weibliche Figuren mit Sprechrollen auftauchen, diese aber auch nicht mehr zu tun haben als Partnerinnen für die Jungen zu sein.
La Casa Muda / The Silent House
(Hinweis: die Untertitel der 35mm-Kopie des Festivals laufen streckenweise massiv asynchron, zudem hatte die Vorführung in Berlin mit zahllosen Tonaussetzern zu kämpfen. Wer den Film auf dem Festival sehen möchte, sollte vorher erfragen, ob die unproblematische Digitalversion gespielt wird.)
Eine junge Frau betritt mit ihrem Vater ein leerstehendes Haus. Mehr sollte man zum Inhalt im Vorfeld nicht wissen. Niedrig budgetierter Horrorfilm aus Uruguay, der mit wenigen Dialogen und ohne einen einzigen sichtbaren Schnitt auskommt. Clever konstruiert, handwerklich beeindruckend und streckenweise verflucht spannend.
Rubber
Die erklärtermaßen sinnlose Geschichte eines mörderischen Autoreifens mit psychokinetischen Fähigkeiten, die gleichzeitig von einer Gruppe von Zuschauern beobachtet und kommentiert wird. Verschrobener, surreal-komischer Metafilm, der sich in seiner Absurdität gelegentlich etwas zu sehr gefällt und mit seinem postmodernen Ansatz eigentlich mindestens zehn Jahre zu spät kommt. Nichtsdestotrotz sehr amüsant.
Neu kommentiert